Projektarbeit - Beispiele


Anwendungen für Unternehmen

BC Hydro (Kanada)

BC Hydro ist Kanadas drittgrößter Energieversorger. Mit einem ehrgeizigen Plan will das Unternehmen sich neu positionieren Die Planungen zielen darauf ab, dass die Umwelteinflüsse durch das Unternehmen innerhalb der nächsten 20 Jahre konstant bleiben – bei erwarteter Zunahme der Nachfrage in Spitzenlastzeiten um 25-40 Prozent. Um die Umwelteinflüsse messen zu können, begab sich der damalige Direktor für Nachhaltigkeit auf die Suche nach einem intuitiv erfassbaren Messinstrument. Der Indikator sollte Umwelteinflüsse und Anwendungsnutzen für Kunden, Arbeitnehmer und Entscheidungsträger anschaulich machen. Die Lösung bestand im Ecological Footprint.

In Kooperation mit dem International Institute for Sustainable Development analysierte Global Footprint Network den Footprint des laufenden Betriebs von BC Hydro. Die Auswertung umfasste Landflächen, Infrastruktur (Dämme, Stauseen und andere Infrastruktur zur Energiegewinnung) und die Analyse der Aktivitäten zum Betrieb und zur Wartung der Anlagen. Zusammen mit BC Hydro entwickelte Global Footprint Network 2006 zusätzlich eine Möglichkeit, Stromnetzvarianten für neue Überlandleitungen mittels ihrer Footprints zu vergleichen.

BC Hydro ist heute ein Partner von Global Footprint Network und nutzt den Ecological Footprint weiterhin, um den Fortschritt des Unternehmens in Richtung auf einen neutralen Footprint zu messen. Zu diesem Zweck wurde die ursprünglich erstellte Studie von BC Hydro weiterentwickelt. Das Versorgungsunternehmen arbeitet zudem an einer weiteren Footprint-Anwendung, um die eigenen Umweltschutzmaßnahmen jährlich analysieren zu können.

Die GPT Group (Australien)

The GPT Group ist eine multinational agierende Immobilienfirma mit einem Jahresumsatz von mehreren Milliarden Dollar. Die Gruppe besitzt und betreibt Einkaufszentren in ganz Australien. GPT suchte nach einer standardisierten Methode, mit deren Hilfe das Ziel einer 20-prozentigen Reduktion des Umwelteinflusses der Liegenschaften bis 2009 erfaßt werden kann. Genauer gesagt wollte das Unternehmen die Einflüsse verschiedener Gebäude- und Innenraumgestaltungsentwürfe bei Restrukturierungsmaßnahmen auf Basis ihrer Umwelteinflüsse miteinander vergleichen können.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, entwickelte Global Footprint Network zusammen mit dem Unternehmen eine Software, die zukünftigen Mietern von GPTs Liegenschaften zur Berechnung ihres Footprints zur Verfügung steht. Detaillierte Daten über Rohmaterialen für verschiedene Einzelhandelskategorien (Modegeschäfte, Restaurants/Lebensmitteleinzelhändler, etc.) setzen Global Footprint Network in die Lage, einfache Fragebögen bezüglich des Footprint unterschiedlich gestalteter Ladenflächen zu entwerfen. Ziel ist es, die Mieter von einer Innenraumgestaltung mit geringem Footprint zu überzeugen.

Diese für GPT entwickelte Berechnungsgrundlage liefert eine praktikable Vergleichsbasis verschiedener Umwelteinflüsse. Die Ladeneinrichtung wird detailliert auf Materialverbrauch und Abfallgenerierung hin untersucht. Dabei werden Kostenersparnis- und Umweltschutzpotenziale identifiziert. Zugleich liefert die Software Ergebnisse hinsichtlich des Fortschritts des Unternehmens für seine Nachhaltigkeitsziele im Sinne eines reduzierten Footprint.

Lesen Sie über den Start des Liegenschaftenrechners (in englischer Sprache).

SITA (Frankreich)

SITA ist Teil der SUEZ-Gruppe, das wiederum eines der größten Abfallunternehmen Frankreichs ist. Abfallmanagement ist innerhalb der Europäischen Union zu einem hart umkämpften Markt geworden. Unternehmen wie SITA suchen deshalb nach Wegen, die Kundenzufriedenheit zu steigern und gleichzeitig Kosten zu verringern. SITA benötigte einen Indikator zur Bewertung interner Arbeitsprozesse. Er sollte außerdem als Kommunikationsinstrument für verschiede Beteiligte – von Bürgern, über politische Entscheidungsträger, bis hin zu anderen Unternehmen – zum Einsatz kommen.

In Zusammenarbeit mit Angenius and Médiation & Environnement entwickelte Global Footprint Network eine interaktive Anwendung, um SITAs Footprint im Bereich der Abfallsammlung messen zu können. Dieser Footprint-Rechner ermöglicht es SITA, die eigenen Betriebssysteme zu analysieren, Ansatzpunkte für eine Verminderung des Footprint zu finden und den Betrieb effizienter zu managen. Dazu zählt auch eine Kostenersparnis im Bereich des Abfalltransports. Des Weiteren nutzt SITA das Konzept des Ecological Footprint, um sich und den Kunden den ökologischen Wert von Abfällen klar zu machen. Abfälle bieten Chancen zur Verminderung des Footprint und zur Wiedergewinnung von Rohstoffen. SITA hat sich mit Hilfe des Footprint-Rechners (für eine Online-Version in französischer Sprache klicken Sie hier) und der Nutzung des Ecological Footprint als umweltfreundliches Abfallbeseitigungsunternehmen positioniert. Dies stärkt SITAs Position um weitere Abfallmanagementaufträge zu gewinnen.

Kadoorie Farm and Botanical Garden (Hong Kong)

Die Kadoorie Farm ist Lehrzentrum, botanischer Garten, Artenvielfaltstation und Interessengruppe für Nachhaltigkeit in einem. Das Gelände der Farm liegt in den New Territories von Hong Kong. Die Kadoorie Farm fühlt sich ihrer Lehrmission stark verbunden und verpflichtete Global Footprint Network, den Ecological Footprint der Farm zu berechnen. Im Laufe der Arbeiten erstellte Global Footprint Network einen Bericht und hielt einen Workshop für Footprint-Anwendungen auf der Farm ab. Dabei wurden die Ergebnisse präsentiert, die Footprint-Berechnungsmethodik für Individuen und grössere Organisationseinheiten erklärt und mögliche Strategien für eine Reduktion des Footprint der Farm diskutiert. Der Abschlussbericht half der Kadoorie Farm, die Nachhaltigkeit eigener Aktivitäten zu verbessern. Als Folgeprojekt produzierte die Organisation zusammen mit Global Footprint Network und dem WWF einen über den Bericht (in englischer Sprache) über den Ecological Footprint der gesamten Region Asien-Pazifik.

Footprint-Anwendungen für Nationalstaaten:
Stand der 10-in-10 Initiative

Europa

Wir befinden uns derzeit in engem Kontakt mit der Europäischen Kommission und der Europäischen Umweltagentur (EEA) in Kopenhagen. Wir prüfen verschiedene Wege, wie man den Ecological Footprint als einen Schlüsselindikator für Nachhaltigkeit für die Europäische Union (EU) etablieren kann. Im Jahr 2006 bewertete eine Gruppe innerhalb des Statistischen Amts der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) die Ergebnisse der Berechnungen der Footprints für die EU positiv. Ihre vorgeschlagenen Forschungsprioritäten decken sich mit denen des Global Footprint Network. Des Weiteren wählte die Europäische Kommission den Ecological Footprint als Biodiversitätsindikator zur Erhaltung der Artenvielfalt aus ("2010 biodiversity targets"). Im Herbst 2006 begann das Umweltkommissariat der Europäischen Kommission mit einer Studie, wie der Ecological Footprint genutzt werden kann. Im Juni 2008 wurde die 350-seitige Studie unter dem Titel "Potential of the Ecological Footprint for monitoring environmental impact from natural resource use" veröffentlicht. Die Studie steht auf der Seite der Europäischen Kommission zum Download bereit.

Wales

Wales hat den Ecological Footprint als Nachhaltigkeitsindikator übernommen. Der vom WWF veröffentlichte Bericht "One Planet Wales: Transforming Wales for a prosperous future within our fair share of the Earth’s resources" beschreibt verschiedene Aspekte, wie Wales seine Wirtschaft verändern kann, um den eigenen Ecological Footprint zu reduzieren.

Schweiz

Die Schweizer Regierung hat die wissenschaftliche Überprüfung der nationalen Berechnungsgrundlagen des Ecological Footprint abgeschlossen. Der Bericht wurde vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht. Dessen Überprüfung übernahm INFRAS auf Anfrage von vier Regierungsbehörden. INFRAS ist eines der führenden schweizer Foschungs- und Beratungsunternehmen. Im April 2008 wurde der Footprint in den Nachhaltigkeitsplan des Schweizer Bundesrates aufgenommen.

Japan

Das japanische Umweltministerium überprüft zurzeit die Berechnungsgrundlagen für den eigenen nationalen Ecological Footprint. Global Footprint Network unterstützt das Ministerium und andere Organisationen dabei in technischen und Weiterbildungsfragen. Das Umweltministerium hat den Ecological Footprint in seinen grundlegenden Umweltschutzplan aufgenommen.

Belgien

Zusammen mit der belgischen Regierung - über das staatliche Planungsbureau und mit der Mithilfe des belgischen Statistikamts - hat Global Footprint Network eine erste Berechnung des belgischen Footprint begonnen. Diese Partnerschaft wird die Relevanz des Fußabdrucks untersuchen und danach Forschungsprioritäten identifizieren, die in einer vollen Forschungszusammenarbeit angegangen werden sollten.

Kanada

In Kanada wurde der Ecological Footprint in den kanadischen Index des allgemeinen Wohlergehens (Canadian Index of Well-being (CIW)) integriert. Global Footprint Network and WWF Kanada veröffentlichten "Canada's first Living Planet Report" im Jahr 2007.

Das Vereinigte Königreich

Das Umweltministerium des Vereinigten Königreichs (DEFRA) ließ zwei Studien zum Ecological Footprint verfassen. Leider waren die Autoren nicht sonderlich gut informiert und haben Einiges verzerrt. Aber ein Anfang ist gemacht. Das Interesse der Regierung speist sich aus der sehr aktiven Diskussion über den Footprint in der britischen Bevölkerung. Es ist aber auch eine Reaktion auf den Aufruf des ehemaligen Premierministers Tony Blair, das Vereinigte Königreich in Richtung einer 'One Planet Economy' zu verändern.

Weitere Nationen

Deutschland, Finnland und Irland überprüften die Berechnungsgrundlagen für ihre nationalen Ecological Footprints.

Lokale, regionale und kommunale Anwendungen

Der Ecological Footprint wird von über 100 Städten auf der Welt als Kommunikations- und Kennzahlensystem verwendet. Im Folgenden finden Sie einige Projekte des Ecological Footprint in Bezug auf Nachhaltigkeitspolitik und Nachhaltigkeitskampagnen auf lokaler Ebene.

Calgary (Kanada)

Die Stadt Calgary begann zusammen mit Global Footprint Network ein Ecological Footprint Projekt. Es soll Umwelteinflüsse für die Stadtplanung der am zweitschnellsten wachsenden Stadt Kanadas sichtbar machen.

2005 nahm die Stadt Calgary an einer Studie über den Ecological Footprint teil. Calgarys Footprint übersteigt mit 9.86 globalen Hektar pro Einwohner demnach den Landesdurchschnitt um 30 Prozent. Die Studienergebnisse gaben der Stadtverwaltung den Anlass, der Verringerung von Calgarys Ecological Footprint Vorrang einzuräumen. Es wurde ein Ecological Footprint Team zusammengestellt, das eine nachhaltigere Stadt zum Schutz der Gesundheit und für das Wohlergehen der Bürger zum Ziel hat.

Planungs- und Infrastrukturentscheidungen prägen das Leben der Einwohner für viele Jahre. Deshalb nutzt das Ecological Footprint Team den Footprint als Hilfe zur Entscheidungsfindung. Mit den Erfahrungen aus dem Footprint-Projekt verhängte die Stadtverwaltung ein einjähriges Moratorium über die weitere Landerschließung. In diesem Jahr wird ein Verfahren entwickelt, das den Footprint und die langfristigen Nachhaltigkeitsziele mit einbezieht. Durch die Initiatve "Ride the Wind" ist Calgary auch die erste Stadt in Nordamerika, die die Energie für den öffentlichen Schienennahverkehr zu 100 Prozent aus emissionsfreier Windenergie bezieht.

Die Stadtverwaltung arbeitet daran, bei den Einwohnern Interesse an Calgarys Ecological Footprint zu wecken und eine Diskussion darüber anzuregen, was getan werden kann, um diesen zu verringern. In dem Bericht "Reducing the Ecological Footprint: A Calgary Approach" (in englischer Sprache) wird beschrieben, wie einerseits der Footprint der Stadt veringert werden soll. Gleichzeitig soll der Bericht Calgarys Einwohnern Möglichkeiten für Eigeninitiative aufzeigen.

EPA Victoria (Australien)

Die Environmental Protection Authority in Victoria in Australien ist eine Partnerorganisation von Global Footprint Network und nutzt den Ecological Footprint als Dialoginstrument und zur buchhalterischen Erfassung von Rohstoffströmen. Die Highlights der Anwendung sind im Mini-Report (in englischer Sprache) beschrieben, der für das Footprint Forum 2006 im italienischen Siena erstellt wurde. Mehr Details finden Sie auf der Internetseite von EPA Victoria.

London

Die Stadt London hat weitreichende Footprint-Analysen vorgenommen, um Schlüsselbereiche zur Verminderung des Ecological Footprint zu identifizieren. Der Ecological Footprint wurde in folgenden Bereichen bestimmt: Güter, Dienstleistungs- und Abfallmanagement, Nahrungsmittel, direkter Energiekonsum (Transport ausgenommen), individuelle Mobilität, Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung. Die Analyse lieferte einen Orientierungsrahmen für lokale Behörden und Unternehmen für weitere Vorhaben:

Lesen Sie mehr über Londons Footprint (in englischer Sprache).

Lesen Sie über "City Limits London", eine Analyse der Rohstoffströme und des Ecological Footprint der Region Greater London (in englischer Sprache).

Cardiff und andere Projekte im Vereinigten Königreich

Im Jahr 2005 hat die Stadt Cardiff eine umfassende Footprintanalyse durchgeführt. Die Stadtverwaltung nutzt die Ergebnisse für ihre Informationsarbeit in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Viele Städte und Regionen im Vereinigten Königreich haben seither Footprintanalysen in Auftrag gegeben. Die Sustainable Consumption Group des Stockholm Environment Institute in York zeichnete dafür verantwortlich. Mehr Informationen über den Footprint und regionale Nachhaltigkeit im Vereinigten Königreich finden Sie hier.

Marin County, California

Die Marin County Community Development Agency (CDA) nutzte den Ecological Footprint, um Schwerpunkte für Nachhaltigkeitsbestrebungen zu setzen, außerdem zur Reduktion des Footprint des County um 15 Prozent. Gleichzeitig soll der Einsatz des Ecological Footprint den Erfolg des verbesserten "Marin Countywide Plan" messen. Er geht zurück auf die Naturschutz- und Entwicklungsstrategie des County. Die Footprintanalyse zeigt politischen Entscheidungsträgern, in welchem Ausmass verschiedene Programme tatsächlich den negativen Einfluss von Marin County auf Ökosysteme reduzieren. Der County Plan, der den Footprint nutzt, wurde von der American Planning Association mit einen Preis gekrönt. Der Footprint wird von der Regionalverwaltung und lokalen Nichtregierungsorganisationen als Kommunikationsinstrument genutzt.

Lesen Sie den "Marin Footprint Report" (in englischer Sprache).

Sonoma, California

Mit Unterstützung der US Environmental Protection Agency (Umweltbundesamt der USA) nutzte die Gruppe Sustainable Sonoma County den Ecological Footprint als Grundlage für ihre Kampagne im Jahr 2002. Als lokale Nichtregierungsorganisation startete sie die Kampagne Time to Lighten Up, um jede Stadt in der Region dazu zu bewegen, der Climate Saver Initiative of the International Council for Local Environmental Initiatives (ICLEI) beizutreten. Diese Klimaschutzinitiative soll helfen, den CO2-Ausstoß der teilnehmenden Gemeinden um 20 Prozent zu senken.

Lesen Sie den Sonoma Report (in englischer Sprache).

Der Bundesstaat Utah

Durch den Versuch das Bevölkerungswachstum sowie den wachsenden Ecological Footprint in die öffentliche Wahrnehmung und die politische Diskussion zu bringen, übernahm die Utah Population and Environment Coalition (UPEC) die Führungsrolle für die Berechnung des ersten Ecological Footprint eines amerikanischen Bundesstaates. Unterstützt von Global Footprint Network erstellte UPEC die Footprintstudie als ein Beitrag ihres ”Utah Vital Signs”-Projekts über Nachhaltigkeitsindikatoren. Der Abschlussbericht ”Utah Vital Signs 2007: the Ecological Footprint of Utah” ist ein Weg, den Bewohnern des Bundesstaates ihren Verbrauch an biologisch produktiven Land- und Wasserflächen aufzuzeigen und den Ressourcenkonsum in einen Zusammenhang mit den weltweit verfügbaren Flächen zu stellen. Der Bericht hat eine öffentliche Auseinandersetzung über den Overshoot – den Überkonsum natürlicher Ressourcen – ausgelöst. Die Diskussionen zielen darauf ab, wie die Bürger, der Gesetzgeber und Planer bessere Entscheidungen für ihre Zukunft und die Zukunft des Bundesstaates treffen können. Dieses Vorreiterprojekt der UPEC hat in der Zwischenzeit großes Interesse für ähnliche Projekte in anderen Bundesstaaten hervorgerufen.

Lesen Sie den Bericht der UPEC.
Besuchen Sie die Internetseite von Vital Signs.